Der große Banküberfall in Buenos Aires

Eine All-Star-Crew wurde reich, indem sie die perfekte Kapriole hinlegte. Aber niemand erwartete, was als nächstes geschah.

Es war 12:38 Uhr nachmittags am 13. Januar 2006, als der Anruf an die Polizei ging: ein Banküberfall im Gange. Augenblicke später rasten Polizisten durch San Isidro, einen grünen, wohlhabenden Vorort nördlich von Buenos Aires. Als die Beamten am Tatort eintrafen – einer hellbraunen zweistöckigen Filiale der Banco Río, eines der größten Finanzinstitute Argentiniens – stellten sie erfreut fest, dass sich die Diebe immer noch im Haus befanden.

Als die Beamten einen Umkreis errichteten, sahen sie zu, wie der einsame Wachmann der Bank mit seiner Waffe aus der Tür schlenderte.



Die Räuber hatten die Waffe geleert und die Kugeln in die Tasche des Wachmanns gesteckt, bevor sie ihm erlaubten zu gehen. Darin seien Geiseln gewesen, berichtete er, und 10 Minuten später wurde eine weitere von ihnen, ein junger, nervöser Mann, freigelassen. Kurz darauf tauchte ein maskierter Dieb an der Tür auf, der eine Frau umklammerte.



Als er einen Blick auf die versammelte Polizei erhaschte, ließ der Dieb die Frau los und rannte zurück in die Bank.



Es gab fünf Diebe in der Bank, die in verschiedene Verkleidungen gekleidet waren, und nun waren sie zusammen mit 23 Geiseln in der Falle. Draußen wimmelte es auf den Straßen von Polizisten, die bald Funkkontakt zu einem der Räuber, der sich Walter nannte, herstellten. Die Diebe hätten gewusst, dass sie umzingelt seien, sagte Walter, aber sie wollten noch nicht aufgeben. Und bis sie da waren, sollte die Polizei besser zurückbleiben. Niemand wollte einen anderen Ramallo sehen.

Das hat einen Nerv getroffen. Der Überfall auf die Stadt Ramallo war in Argentinien berüchtigt. Sechs Jahre zuvor waren drei bewaffnete Männer in eine andere Bank eingebrochen, nicht weit von dieser entfernt. Wie an diesem Tag hielten die Diebe Geiseln und benutzten sie bei einem Fluchtversuch als Schutzschild. Da ging es schief. Die Polizei eröffnete das Feuer und tötete einen Räuber und zwei Geiseln. Ramallo war ein nationaler Skandal, aber was es besonders schrecklich machte, war, dass das Fiasko im Live-Fernsehen ablief.



Jetzt waren in San Isidro wieder die Nachrichtenkameras eingetroffen und trainierten ihre Objektive vor Ort, als mehr als 100 Polizisten die Bank umstellten und die nahe gelegenen Straßen absperrten. Jeder verfügbare Sitzplatz, der einen Blick auf das Ufer bot, war entweder von Fotografen oder Scharfschützen besetzt.

Mehr als sechs Stunden lang war die Nation wie gebannt. Die Polizei hatte Walter den Mann im grauen Anzug genannt. Er war sofort berühmt. Die Geiseln, sagte Walter, würden gut behandelt. Die Stimmung im Inneren wirkte seltsam überschwänglich: Einmal hörte man Walter und einen anderen Räuber einem Bankangestellten Happy Birthday singen, dessen Telefon mit Geburtstagsnachrichten von Freunden und Familie summte. Um 15.30 Uhr fragte Walter nach Pizzen; die Geiseln seien hungrig, sagte er. Dann, nur wenige Minuten später, verstummte Walter.

Über drei Stunden lang machten sich Polizeiführer und Stadtbeamte Gedanken darüber, was sie tun sollten, da weitere Versuche, Walter zu erreichen, fehlschlugen.

Schließlich nahm ein Team von Spezialeinheiten außerhalb der Bank Stellung. Um 19 Uhr platzen sie hinein. Aber es gab keine Schießerei, keine Aufregung. Und keine Spur von den Dieben. Die Geiseln waren auf drei Stockwerke verteilt – die Lobbyebene, ein Zwischengeschoss und unten in einem von innen verschlossenen Konferenzraum im Untergeschoss. Sie waren alle unverletzt.

Erst als die Detektive den Keller erreichten, entdeckten sie, was die Räuber wirklich gesucht hatten. Dort, in der Weite der unterirdischen Ebene der Bank, säumten Hunderte von stahlbewehrten Schließfächern die Wände. Und an einem Ort wie San Isidro, zu einer Zeit wie 2006, waren diese Kisten eine wahre Fundgrube.

Argentinier sind aus gutem Grund misstrauisch gegenüber ihren Banken. Sie wurden von ihnen verraten, immer und immer wieder. Am bekanntesten im Jahr 2001, als der Zusammenbruch des nationalen Bankensystems, bekannt als Laufstall, ganze Vermögen ausgelöscht, Millionen betroffen. Ohne Vertrauen in Konten begannen Bankkunden, ihre Ersparnisse – Bargeld, Schmuck und andere Wertsachen – in Safes zu verstauen. Und diese besondere Bank, die sich in einer der reichsten Enklaven Argentiniens befindet, muss besonders verlockend gewirkt haben, da ihre Schließfächer sicher mit dem Vermögen der Wohlhabendsten der Stadt ausgestattet waren.